Gratisfahrt ins Impfglück

Karikatur: Klaus Stuttmann
Text: Frau zu Kappenstein

Die Hauptstadt hat eine Impfstraße in Treptow (Satire)

Möchten Sie auch gerne in ein Impfzentrum? Kommen Sie. Ich nehme Sie mit. Die Hauptstadt ist mit einem kompletten Impfzentrum an den Start gegangen. Hinein darf, wer eine Einladung hat. Mein Nachbar ist im Besitz dieses wertvollen Stücks Papier. Er ist 90+ und haargenau richtig für den Ausflug in die heiligen Hallen mit den vielen Impfdosen. Der Mitbewohner akzeptiert mich als Begleitperson. Der Mann weiß, was er will und was er kriegen kann, mich, die Unternehmungslustige. Als Zugezogene habe ich alles klar gemacht. Habe meinen ganzen nordrheinwandalischen Charme an den Tag gelegt auf unserer Andrea Doria und für Taxi, Impftermin und Marschgepäck gesorgt. Mit dem Gratistaxi ins Injektionsglück. Bewaffnet mit Einladung, Impfpass, Gesundheitskarte und Personalausweis. Wir werden willkommen geheißen. Nichts los auf dem Floß. Nur ausgesprochen freundliche Mitarbeiter*innen der Bundeswehr, die uns begleiten auf dem Weg durch die Impfstraße. Sie wollen wissen, ob Weißkittelallergie, Schockreaktionen auf Flecktarnkleidung oder Ohnmachtsanfälle beim Anblick von Spritzen bekannt sind. Lauter Negativanzeigen. Schon nach 45 Minuten findet der Tagesausflug ein jähes Ende. Man will uns wieder loswerden, obwohl wir noch mitten in der Diskussion stecken, ob bereits sechs anstatt der fünf Dosen aus einem Fläschchen entnommen werden. Wir könnten auch gleich ein ganzes Fläschchen nehmen, dann entfallen wenigstens die Entsorgungskosten wie bei den Masken. Die haben schließlich auch ein Verfallsdatum. Was soll’s die letzte Kiste ist aus Holz. Draußen können wir weiter diskutieren, aber nicht über den nächsten Impftermin, der steht fest in drei Wochen.

Möchten Sie jetzt auch an die Impfnadel oder zumindest die Impfstraße besuchen? Für den Ausflug in die City Ost könnte ich Ihnen über meinen Nachbarn passende Reisepartner*innen mit Einladung ins Impfzentrum vermitteln. Wir kennen uns ja.

Ihre Lachfaltenpflegerin des Vertrauens

Frau zu Kappenstein

P. S. Wie sagt noch Jens Spahn: Wir bieten denjenigen einen Schutz, die ihn besonders benötigen.

 

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