E N T Z U G Umarmen – was ist das

Karikatur: Klaus Stuttmann

Trotz Toleranz Intoleranz im Endstadium

Text: Frau zu Kappenstein

E N T Z U G      Umarmen – was ist das (Satire)

Wissen Sie noch, wie Umarmen geht? Wann ist es das letzte Mal zum Äußersten gekommen. Ich bin diesbezüglich auf Langzeitentzug. Um dieser körperlichen und seelischen Grausamkeit auf legale Art und Weise ein Ende zu setzen, habe ich mir etwas einfallen lassen. Als Erstes habe ich meine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin besucht. Ganz ehrlich, ich bin nicht ansatzweise auf Touren gekommen. Bei der Darmspiegelung gab es immerhin was zu lachen. Der Schlauchbespaßer und ich, wir haben uns über mein Innenleben und seine Herkunftsfamilie unterhalten. Welche Eltern hat so jemand, der sich im späteren Leben für das menschliche Ausscheidungsorgan interessiert. Ich sag nur soviel, da war genauso wenig immer alles sauber wie bei mir. Verschmutzungen, wo immer man hinschaut. Was ich brauche, ist mehr Pflegecharme für den Darm. Ansonsten bin ich gesundheitlich weitestgehend unauffällig. Danach musste meine Gynäkologin bzw. ich dran glauben. Die Berührungskontakte waren gänzlich anderer Natur. Ganz ehrlich, bequem oder gar schön stelle ich mir anders vor. Die ganze Sache war, wenn man von der Anamnese absieht, ohne Vorspiel. Mit gestreckten Armen und einem Knie im Osten das andere im Westen ist mir das Wort Vergnügen beim Anblick von kühlem Edelstahl endgültig aus dem Gedächtnis gefallen.

Ich habe das dann auch eingesehen, mit der Gesundheitskarte komme ich nicht an Körperkontakte, wie ich sie mir vorstelle.

Mein Kosmetikschuppen würde mich gerne sehen wollen, die dürfen aber nicht. Obwohl so eine entspannte Gesichtsmassage und die Pflege der Haut wären schon schön gewesen. Somit bleibt einmal Falten glatt legen weiterhin auf der Wunschliste. Beim Podologen hatte ich mehr Glück. Die dürfen noch ganz nah dran aus medizinischen Gründen, versteht sich. Allerdings ist das Interessengebiet, wie soll ich sagen, begrenzt. Hühneraugen, Senk-, Spreiz-, Hohl-Fuß und Hallux valgus kann ich mir dort pflegen lassen. Alles, was darüber hinausgeht, ist für den Podologen völlig uninteressant. Der einzig angenehme Teil war das Fußsohlenkraulen und vielleicht war es eine Fußreflexzonenmassage, zumindest habe ich mir das eingebildet. Jetzt weiß ich wenigstens wieder, wie sich an einer entlegenen Stelle des Körpers Berührung anfühlt.


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