Kappensteins Kolumne

Ein Lob auf meine Freundin

Meine Freundin in der Provinz hat zur Abwechslung, ich weiß nicht zum wievielten Mal T-Shirts bestellt. Dabei entscheidet sie sich wie gewohnt für Schwarz und Weiß. Und jetzt die Begründung: Je mehr Teile von einer Farbe in die Waschmaschine kommen, desto günstiger wird die Wäsche. Sie werden es nicht für möglich halten, das spart sowohl Waschpulver als auch Waschgänge. In solchen Fällen denke ich darüber nach, welch geniale Idee ihr als Nächstes einfällt. Vielleicht der Kauf von 12 Wintermäntel, weil nur 10 bezahlt werden müssen.

Foto: Peter Kagerer – Hauptstadtmenschen

Die 1. Woche des Jahres

Leicht aufgelöst kommt eine Pädagogin zum wöchentlichen Treff. “Na, wie ist die erste 1. Woche nach den Ferien gewesen?” “Bei uns war die Hölle los. Eine Schülerin wurde vergewaltigt, ein anderer Schüler hat einen Notarzteinsatz ausgelöst, Verlust von Gliedmaßen nach Gebrauch vom Feuerwerkskörper und als hätte das nicht gereicht, hat dann noch ein Schüler mit Tischen und Stühlen um sich geworfen.” “Und ich sage dir, von welcher Schule du sprichst.” “Von wegen, es ist kein sozialer Brennpunkt, es handelt sich um eine stink vornehme Gegend in einem Teil des betuchten Süden Berlins.”

Ciabatta – Tabata

Unsere Bodystylistin, manche sagen auch Vorturnerin, fragt: “Habt ihr Lust auf Tabata?” “Oh, ja, wenn es lecker ist.” Sie meint: “Mach mal mit, so schaffst du reichlich Platz für kalorienhaltigen Nachschub. Kurz danach bin ich schweißnass als wäre ich durch Regen gelaufen. 40 Sekunden Nonstop im Stehen, Sitzen, Liegen gefolgt von 20 Sekunden moderat nicht zur Ruhe kommen. Danach träumst du von Ciabatta, das vom Himmel fällt, während du alles möchtest, nur keinen anstrengenden körperlichen Einsatz mehr.

Springen, wann immer man will

Mein Nachbar ist begeistert von sich selber. Das gefällt mir. Sofort will ich wissen, “was muss ich machen, um das auch zu erreichen und was muss ich dafür unternehmen?” “Aber natürlich, alles kann nichts muss. Er wäre doppelt geimpft und geboostert, er dürfe jetzt alles.” “Wirklich alles,“ sprudelt es ungläubig aus mir?” “Oh ja, er dürfe ins Schwimmbad, er dürfe auch vom 5-m-Brett springen, vorausgesetzt, es ist ein solches vorhanden. Und was noch besser ist, er dürfe sogar springen, wenn kein Wasser im Becken ist.”

Foto: P. S. Liebesinsel in Spandau

Ein Fisch bleibt nicht gerne ohne Wasser

Das Internet hat alles. Auch online Dating. Was da alles möglich ist. Kontakte werden gehostet, das ist, wenn sich das Gegenüber in Luft auflöst oder es gibt Benching, das ist wie Treffen auf einer Bank vereinbaren und währenddessen weitersuchen. Selbst Haustiere bleiben auf Dauer nicht bei dir, wenn kein Zaun drum ist. Außerdem kenn ich keinen Fisch, der gerne ohne Wasser bleibt. Ganz ehrlich, für die geregelte Grundversorgung zählen ganz andere Qualitäten, häufig entscheidet die Nase, wo es langgeht.

Was hat sich geändert über die Feiertage

Feiertage sind: Wenn die Suppe mehr Fettaugen trägt als sonst, die Gans mit der Soße ringt, die Beilagen in Sahne schwelgen, das Dessert hauchzart am Gaumen schmilzt. Und zum Wohlgefallen wird gerundet, abgerundet mit einer Tortenschlacht, Pralinen und Alkoholika. Wenn lauter Leckereien ums Gaumenglück feilschten, dann ist es wieder einmal wunderschön gewesen. Auch wenn die Waage mehr anzeigt. Wer dann noch fragt, was sich über die Feiertage geändert hat. Es ist längst klar, die Figur ist aus dem Leim gegangen und das Cholesterin macht einen Freudentanz.

Foto: R. B. B.

Der Nächste bitte

War im Schnelltestzentrum für das in diesen Tagen so wichtige Testergebnis. Habe brav alle Angaben in den Bogen eingetragen und werde aufgerufen. Der Nächste bitte. “Darf ich eintreten auch wenn ich kein Mann bin oder muss ich vorher eine Geschlechtsumwandlung machen?“ Sie antwortet: “Habe hinten keine Augen.” “Stimmt, sonst würden Sie im Zirkus arbeiten.“ Als ich fertig bin, ruft sie meine Nachbarin herein: “Der Nächste bitte.” Der Kollege im Testzentrum bekommt einen Lachanfall.

Foto: H. K.

Laden Sie sich Gäste ein

Gemeinsam speisen kann ich besonders empfehlen. Ganz einfach, weil es wunderbar verbindet. Wie oft habe ich schon Dinge beim Essen geregelt, die ins Stocken gerieten. Ich glaube ja, gutes Essen macht glücklich und zufrieden. Deswegen gilt im Saarland und anderenorts: Hauptsach – gudd gess. Übrigens Lisbeth die II ist da ganz meiner Meinung, sie lässt die Gäste sogar vor und nach dem Essen wiegen. 1,5 Kilo nach dem Essen mehr bedeuten viele Streitereien weniger, ganz im Sinne von voller Bauch streitet nicht gern. Gel.

Hurra, mein Weihnachtspaket ist da

Es ist Geschenkezeit und zur Abwechslung bekomme ich mal was zugestellt. Jetzt wohne ich aber in der Nachbarschaft von einem, der das Internet leer kauft. Dieser Dauerbesteller öffnet das an mich adressierte Paket, um festzustellen “nö, diese Lieferung mit diesen Plätzchen kann nicht für mich sein.” Das ist der Zeitpunkt, bei der er die Zustellung mir zustellt. Die Verpackung ist ruiniert und ich erhalte sie ganz ungeniert. Derweil bin ich froh, doch noch was zu bekommen und frohlocke: “Welch ein Glück, es ist noch was Essbares im Paket, dann kann ich meiner Schlüsselqualifikation als Plätzchentesterin freien Lauf lassen.“

Lieber Hein B.

Vielen Dank für die Anfrage. Es passiert ja nicht alle Tage, dass Interesse persönlicher Natur öffentlich so bekundet wird. Auch positive Äußerungen treffen weder in Kübeln noch weise ein. Dass trifft auch auf Aufforderungen zu, dass ich aktiv werden und eine Freundschaftsanfrage stellen soll. Warum ich den Text gleich zweimal hintereinander erhalte? Vermutlich weil doppel gemoppelt besser hält. Ohne Segen von oben grüßt

Frau zu Kappenstein

Foto: Von der begnadeten Plätzchenbäckerin Ute Danielzick

Ex-Testesserin von Riegel-Klotz mit neuem Betätigungsfeld

Haben Sie jemanden, der oder die gut backen kann, aber nicht weiß, ob es auch gut ist. Da ist Expertise gefragt. Schließlich können Zucker, Butter und Co. der Figur zusetzen. Hier komme ich nebst ruinierter Figur ins Spiel. Als Anschlussverwendung nach Riegel-Klotz bin ich zu neuen geschmacklichen Höhenflügen bereit. Was soll ich sagen, es ist alles so schön bunt hier. Als Gefangene in einer Dauerschleife weiß ich nicht, was am besten schmeckt. Ich fange noch mal von vorne an.

Foto: P. S. – Liebesinsel in Spandau

Was nicht ist, es kann noch werden – Goethe

Bin in die gemischte Sauna gegangen und habe mich mit einem Zweibeiner unterhalten. Dabei erfuhr ich von der Herzklappe, die nicht richtig schließt. Biete meine Hilfe an. Bei überschaubaren Näharbeiten wie Knöpfe annähen und geplatzten Nähten bin ich in Übung. Mein Angebot wird ausgeschlagen. Ich erkläre, Hilfsbereitschaft ist Ehrensache. In meiner Region gilt: Man kennt sich, man hilft sich. Fürs nächste Mal will er seine Handy-Nr. aufschreiben. Nur im Moment fehlen leider Papier und Stift.

Foto: P. S.

Wo die Möhren an den Bäumen wachsen

Unsere wunderbare Stadtteilkoordinatorin hat fast täglich Pandemiezauber im größten zauberhaften Wald Berlins mit uns gemacht. Im Forst haben wir Wildschweine mit den Augen gekrault, Bäume, an denen Möhren hingen, bestaunt, die Kuhlake und das Moor zum Abkühlen der Gehwerkzeuge entdeckt. Es war einmal. Von der Naturentdeckung haben wir gewechselt zur Digitalentdeckung. Sie schreibt: Um die Teilnehmer*innenzahl so niedrig wie möglich zu halten, bitte ich all jene, die die Möglichkeit einer digitalen Teilhabe haben, dringend davon Gebrauch zu machen.

Karikatur: Klaus Stuttmann

Spuren der Heiterkeit

Herlinde Koelbl, die berühmte Fotografin, hat über 30 Jahre Frau Merkel porträtiert. Unter anderem kam es zur Begegnung mit Hillary Clinton. Man glaubte seinerzeit, die mächtigste Frau der Welt gesehen zu haben. Angela Merkel wurde es. Außer der machtvollen Seite gibt es noch die heitere Seite. Der begnadete Karikaturist Klaus Stuttmann hat diese Seite in der überarbeiteten Ausgabe “Mein Merkelbilderbuch” schonungslos offengelegt. Frau Merkel konnte noch nicht reagieren. Das Büro soll schlanker werden, deshalb sortiert sie ihre Jacken nach der Methode, was kann weg und was bleibt.

Karikatur: Klaus Stuttmann

Catering für geschlossene Gesellschaft

Robert muss einkaufen in unterschiedlichen Geschäften und danach vorbereiten. Es soll kulinarisch werden. In meiner Abenteuerlust sage ich: “Hört sich gut an. Wird es ein Buffet?” “Ja. Mit vielfältigen Speisen, frisch, gesund und lecker.” “Genau das richtige Essen für mich und meinen feinen Gaumen.” Es tut mir leid, sagt er, das Catering ist für eine geschlossene Gesellschaft. Darauf sage ich: “Wunderbar, wenn ich esse, dann bleibt mein Mund geschlossen, ver

Foto. H. K.

Möchten Sie mit mir mitfahren

Bin stolze Besitzerin eines Nahverkehrsabos. Der Nahverkehr zeigte sich von seiner besten Seite und unterbreitete zumindest temporär besondere Angebote. Mit einem Upgrade hätte ich deutschlandweit fahren können. Ok, es bezog sich auf Regiozüge, aber Berlin – Koblenz oder Hamburg – Passau wären möglich gewesen. Jüngst gab es erneut ein Angebot, da war sogar eine Begleitperson zugelassen, erfahre ich am Auskunftsschalter. Spontan lud ich die Frau am Schalter ein. Die Schalterfrau schaltete und zeigte mir ihr Ticket. Es sah genauso aus wie meins.

Foto: H. K. – Spandau

In Spandau ist nichts los

Von wegen. Meine Nachbarin und ich sitzen auf einer Spandauer Bank, bis ein Polizist der Meinung ist, das Gelände dürfte nicht genutzt werden. Es gibt eine Veranstaltung und dafür hätte der Bezirk eine Genehmigung erteilt. Währenddesen sind Parkbank und Gelände für die Öffentlichkeit gesperrt. Wieso, wollen wir wissen. Das wusste der Mann in Uniform auch nicht. Wenn wir uns partout nicht wegbewegen, dann müsste er uns wegtragen. Es ist ewig her, dass ich weggetragen wurde, seinerzeit fand es im gegenseitigen Einvernehmen während der Kampfsportausbildung statt.

Foto: H. K. – Spandau

Elektro-Rolli gibt auf

Mein Nachbar, der Häuptling mit E-Mobilität, unternimmt tagsüber einen Ausflug. Unterwegs sucht er sich einen Imbiss mit Ladestation. Während er sich mit Nahrung versorgt, versorgt sich das E-Mobil mit Elektrizität.

Am Abend darf ein weiterer Nachbar und ich unseren E-Mobilisten und sein Gefährt zu unserem Wohnquartier geleiten. Vorneweg der Nachbar mit Beleuchtung, in der Mitte der Elektro-Rollfahrer und das Ende des Geleitzugs übernahm ich als Beleuchterin. Der unspektakuläre Fahrradweg kam für ihn nicht infrage, da können die langfahren, die nicht gesehen werden wollen.

Foto: H. K.

Heiratsanzeige

Mitten in der Urlaubszeit nimmt sich meine Spüle auch eine Urlaubszeit. Rückstau im Endstadium. Pömpel, Spülmittel und meine Muskelkraft haben mich nicht weitergebracht. Vertraue das Problem meinem entfernt lebenden Retter in diesen und anderen Notlagen an. Er fragt, was soll ich tun? Helfen natürlich. Kein Problem, sagt er. Du brauchst einen Installateur, schade, der Installateur braucht dich nicht. Da hilft nur eins. Gib eine Anzeige auf: Suche Klempner zwecks Heirat. Spüle mit Aussicht sowie Köchin mit Kochtopf sind vorhanden.

Frau zu Kappenstein bei "immer wieder freitags" im FFM
Frau zu Kappenstein bei „immer wieder freitags“ im FFM

Eingezäunte Fläche und deren Nutzung

Hierbei handelt es sich um ein besonderes Phänomen. Einmal errichtet, bleibt die Abgrenzung häufig dauerhaft erhalten. Sie kennen mit Sicherheit zahllose weitere abgesperrte Flächen in Ihrer Stadt. Häufig ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, weshalb abgesperrt wurde. Dann, so steht zu vermuten, werden die Freiflächen freigehalten für künftige Ereignisse oder solche, die nicht in Vergessenheit geraten sollen, wie die Berliner Wahlurne in Gold, der falsche Wahlzettel in Silber oder in Bronze der Stimmzettel mit sichtbaren Kreuzen von einem hochrangigen Politiker.

Foto. Kappenstein

Unwiderstehliches Angebot

Kurz vor Ladenschluss bildet sich eine lange Schlange an der Ladenkasse. Nur eine Person hat wirklich Glück. Die erste Person in der Schlange hat eine Vorliebe für sämtliche Backwaren des Tages, ganz gleich welcher Form, Größe oder welchen Gewichts. Nichts sollte zurückbleiben in den meterlangen Auslagen. Am nächsten Tag wird alles zum halben Preis verkauft. Wollte auch schon mal – genau wie andere – so ein Schnäppchen, also das Brot von morgen heute kaufen. Die Verkäuferin war der Meinung, das gibt es nicht und dabei war längst klar, es lag direkt vor mir in der Auslage.

Hotline: Kaffeekochen mit Frau zu Kappenstein

Mein Nachbar bekommt Kaffeebesuch, seine Frau ist außer Haus. Wo ist das Problem, frage ich. Gibt es kein fließendes Wasser in Ihrer Wohnung? Schlimmer, höre ich. Kein Kaffeepulver? Viel, viel schlimmer. Versteckt sich der Schalter der Kaffeemaschine vor Ihnen? Nein, erfahre ich, er hat noch nie zuvor den koffeinhaltigen Trunk zubereitet. Ich erkläre den Vorgang Schritt für Schritt, während sein Besuch eintrudelt und nicht nur der Nachbar wundert sich.

Seitdem gibt es den Running Gag: Willst du Kaffeekochen ruf Frau zu Kappenstein an.

Hast du mit Kappenstein gesprochen, dann kannste endlich Kaffee kochen!

Karikatur: Klaus Stuttmann

Wohnung Scharoun

War in der Spandauer Privatwohnung von Hans Scharoun. Immerhin ein Architekt, der in seiner Wohnanlage gewohnt hat. Ich sag mal so, zu unser aller Glück ist die Berliner Philharmonie großzügiger ausgefallen. Seine Wohnung bezeichne ich mal als übersichtlich, immerhin hat der lichtdurchflutete Wohnraum Fenster in Ost- und in Westrichtung. Erst nach 30 Jahren sind er und seine Frau ausgezogen. Bei meinem geistigen Einzug habe ich die Hälfte meiner Sachen entsorgt. Dann habe ich mich entschieden, mir den verbliebenen Überfluss in meiner Wohnung noch mal genauer anzusehen.

Foto: Michaela Hanf

NEU: Urbane Welten – OPEN AIR SPACE – Tanzvergnügen in Haselhorst

Wenn du denkst, da geht nichts mehr, dann kommt ein Klubhighlight an der Spree daher. Habe mich schnurstracks aufgemacht. Am Einlass gab es Security. Musterung, Impfnachweis und Taschenkontrolle, Drogen seien nicht erlaubt. Sehe ich aus wie Paulette die Drogenoma, die dringend eine Finanzspritze braucht? Mit staubigen Schuhen bin ich wieder gegangen. Wie war es, wurde ich am Ausgang gefragt. Keine Frage mache weiter mit meiner Neuentdeckung auf FB Haselhorst13 bei Schokolade und Kuchen.

Catering für geschlossene Gesellschaft

Robert muss einkaufen in unterschiedlichen Geschäften und danach vorbereiten. Es soll kulinarisch werden. Bei meiner unbändigen Lust auf leckeres Essen sage ich: “Hört sich gut an. Wird es ein Buffet?” “Ja. Mit vielfältigen Speisen, frisch, gesund und lecker.” “Genau das richtige Essen für mich und meinen feinen Gaumen.” Es tut mir leid, sagt er, das Catering ist für eine geschlossene Gesellschaft. Darauf sage ich: “Wunderbar, wenn ich esse, dann bleibt mein Mund geschlossen, versprochen ist versprochen, dann hörst du nichts von mir.“

Foto: Peter Kagerer – Hauptstadtmenschen

Das Pferd

Gundula ist zu einem Pferd gekommen von einem Reittierbesitzer, der nach 12 Jahren feststellt, außer Spesen ist mit dem Tier nichts gewesen. Gundula springt ein und bietet Futter anstatt Pferdebank an. Derweil überlege ich, welche Vorstellung der Besitzer beim Pferdekauf hatte, dass sein Klepper Geldscheine spuckt für Unterkunft und Verpflegung. Das Ross hat inzwischen eine ganz eigene Meinung, es will dem Halter einen Freiflug auf den Mond spendieren, für Kost und Logie möge er bitteschön selber sorgen, dann ist er daran gewöhnt.

Foto: Heidi Ramlow

Nach den Ferien

Am 1. Schultag nach den großen Ferien komme ich mit einer Schülerin ins Gespräch und frage nach, wie der 1. Tag war nach so langer Zeit ohne Schule. Ob sie sich auf die Schule gefreut hat. „Ja, es war ganz gut, wir haben noch nicht viel gemacht. Ich bin jetzt eine Klasse weiter,“ antwortet sie. „In welcher Klasse bist du denn jetzt?“ „Vor den den Ferien war ich in der 3. Klasse und jetzt … Oma, welche Klasse kommt nach der 3. Klasse?“ Die Oma weiß es genau: „Kind nach 3 kommt 4. Das weißt du doch, du bist jetzt in der 4. Klasse.“

QR-Code

Habe mich mit unserem dem Hausältesten (90 +) dem Häuptling unterhalten. Der Mann weiß, was er will. Er möchte ein leichteres Leben. Seit Neuestem ist er stolzer Besitzer eines QR-Codes. Damit kann er seine Tür öffnen, bargeldlos bezahlen und bestellen, was er will. Kein Wunsch soll unerfüllt bleiben. Ganz gleich ob im Baumarkt, beim Menübringdienst und bei der Person, die ihn unterhält. Und ich wollte den vollständig Geimpften als Türöffner für meine Wünsche. Da sagt er mir: Wenn ich denke würde, er sei faul, läge ich daneben, er sei allenfalls träge und wie alt er noch werden muss, damit er das ausleben kann.

Einfach ab in die Natur

Habe eine wunderbare Naturexkursion erlebt. Es wurden Blüten gesammelt, Brombeeren gegessen und wilder Oregano gekostet. Auch Rainfarn kann ich jetzt bestimmen. Das können Sie mit Salz anreichern oder gegen Schädlinge einsetzen. Solche und ganz andere Tipps gibt es auch bei einer Gruppe mit Drogenabhängigen, wie ich vom Exkursionsleiter erfahre. Spontan erzähle ich von meinen Abhängigkeiten von Eiscreme und Schokolade. Alles schon im Endstadium. Kann ich unter diesen Umständen bei der Gruppe mitmachen. Der Blütenmeister bittet mich, ihn mal anzurufen.

https://www.urnen-aus-filz.de

Oma geht von uns

Wir stehen andächtig mit Schirm, Charme, der Bestatterin und Oma in der schönen Filzurne an ihrer Ruhestätte. Die Urne wird würdevoll herabgelassen, kann aber nicht abgesetzt werden. Es quietscht. Der Vorgang wird mehrfach wiederholt. Mal ist die schmucke Urne oben, mal unten, es bleibt dabei, wir hören Piepsgeräusche. Lisbeth meint, das ist wie zu Omas besten Zeiten, Oma war weit und breit nicht zu sehen aber man hörte ihre vergnüglichen Geräusche und wir wussten, es geht ihr gut. Sie stand ja auf Turnen bis zur Urne und hat Zumba mit quietschenden Rollatorreifen getanzt.

Spandauer Friedhof in den Kisseln ganz erstaunlich

Es lohnt sich, den größten innerstädtischen Friedhof mit den meisten zu beklagenden Kriegstoten zu besuchen. Wer gern bislang den Männern vorbehaltene Ehrengräber besucht, findet auch gleich am Eingang die Ruhestätte des beliebten Bürgermeisters Konrad Birkhof. Immerhin Dr. Hanna-Renate Laurien ruht nicht weit davon entfernt. Auch der wohl weltweit bekannteste Eisbärstar Thomas Dörflein, der einst Knut pflegte, liegt in den Kisseln und ein ganz mutiger Mann, der Anti-Faschist Erich Meier. Er hat Joseph Goebbels während einer Veranstaltung zur Flucht bewegt. Ein Spandauer.

Empfehlung: https://www.meinkiez-meinfriedhof.berlin.de/

Foto: H. K.

Es ist nichts so lesenswert wie meine gedruckte Zeitung, sage ich als Zeitungsjunkie

Jetzt soll sie abgeschafft werden. Nein, es soll nicht die ganz Zeitung abgeschafft werden, sondern das bedruckte Papier. Weshalb? Das Papier verschlingt so viele Ressourcen. Wir sollen nur noch im Internet die Zeitung lesen? Da wird Strom verbraucht, auch fürs Streamen. Lese ich die Zeitung dann überhaupt noch. Ich liebe es ja, wenn ich viele Stunden am Computer gearbeitet habe und mich danach entspannt der gedruckten Lektüre widmen darf. Wenn das so weitergeht, wird dann bald der eigene Partner digitalisiert, nur um Ressourcen zu schonen. Übrigens den CO 2 Verbrauch für einen Kurztrip ins All können wir nicht mehr einsparen, selbst wenn wir ein Leben lang uns vegan ernähren, Radfahren und Nichtheizen.

Foto: Robert

Naturspaziergang

Mache jetzt Naturspaziergänge. Können alle machen, aber ich habe einen Naturbegleiter, Heilpraktiker und Gärtnermeister dabei. Seitdem weiß ich viel mehr. Weiße Johannisbeeren schmecken anders als rote. Eine Zitterpappel sieht anders aus als eine Schwarzpappel und wieder anders als eine Silberpappel. Begeisternd sind auch Taglilien, ganz gleich ob weiß oder rot, neben ihrer ansprechenden Optik sind sie lecker und knackig. Und dann diese zahllosen Pfefferminzsorten. Frisch aufgebrüht – eine köstliche Angelegenheit. Im Grunde genommen sind die optischen, haptischen und geschmacklichen Erlebnisse unbezahlbar, der Naturbegleiter dagegen schon.

Picasso im Museum Berggrün

Ich hab Picazzo besucht, der Mann mit den vielen Bildern und den vielen Frauen. Glauben Sie, ich habe alles erkannt, was er gemalt hat. Beileibe nicht. Dabei habe ich intensiv geguckt. Heinz Berggrün, der hatte ja das absolute Auge, aber ich. Eine Museumspädagogin beruhigt mich. Es ist wie mit einer Fremdsprache, die beherrscht man auch nicht von einmal hinhören. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto besser wird es.

Elternringtausch – mal was anderes für Kinder und Eltern

Es kommt immer wieder vor, dass die eigenenen Eltern einem lieb und teuer und sonstwas sind. Bei fremden Müttern und Vätern ist das anders, da gibt es keine gemeinsame Vorgeschichte, kein Wissen über Vergeßlichkeiten und Macken. Ein Ringtausch kann da sehr belebend sein. Ich übernehme den knuffigen Häuptling von Pauline. Pauline schaut nach der vergeßlichen Mutter von Thorsten. Und meine Mutter, die nicht gerne trinkt, lernt den trinkfesten Thorsten kennen. Schon jetzt freut sich meine Mutter auf den Kinderringtausch, dann sucht sie sich ein entspanntes Kind aus.

Karikatur Klaus Stuttmann

Architektur-Rundgang in Charlottenburg wieder möglich

Beim Rundgang haben wir mit dem beeindruckenden Ambiente der Villa Oppenheim angefangen. Auch Jugendstilhäuser, die vom Krieg verschont wurden, haben wir bestaunt. Mal ganz anders wohnt es sich in ehemalig besetzten Häusern oder im Ledigenheim. Nicht zu verachten ist das Reformbauwohnen mit wunderbar begrünten großzügigen Innenhöfe bei einer Genossenschaft. In Berlin wird viel geboten. Die Villa ist Museum, das Ledigenheim ist Studierenden vorbehalten, bei der Genossenschaft gilt 10 Jahre Wartezeit. Ad-hoc Einziehen geht nirgendwo.

Foto: Relita
Foto: Relita

Reif für die Insel?

Spandau hat sie, die einsame Insel, den “Großen Wall in der Havel”. Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah. Die ruhige verlassene Insel gehört dem Bezirk Kreuzberg, der sein Interesse an der einstigen Zelterholungsstätte verloren hat. Deswegen, wenn Sie sich für die 3000 Quadratmeter Naturschutzgebiet ad hoc begeistern können, da ist was möglich. Derzeit ist die Insel noch zukaufen. Betreten ist verboten. Pflege ist dringend geboten. Dieter Hallervorden hat bereits eine Insel, vielleicht möchte er – wie andere ein Zweitbuch – eine Zweitinsel. Noch können Sie ihm zuvorkommen.

Am Tag, als die 2. Impfung kam

Den EM-Tag Deutschland gegen England habe ich mir nicht als Impftermin ausgesucht. Als ich den Termin bekam, dachte ich nur, Hauptsache kein Covid 19. Andere warten jahrelang auf die EM, die Olympiade oder wieder andere auf den schützenden Oberarmpicks ewig und drei Tage vergebens. In meinem Impfzentrum waren an dem Tag viele ungeduldige Fußballfans lange vor dem Anpfiff impfbereit. Gedulden durften sich die anderen. Also habe ich ganz lange aufs Vakzin gewartet und dafür kürzer auf den QR-Code. Hauptsache das Virus macht einen weiten Bogen um mich.

Foto: Sebastian

Erlebnis Architektur am Wochenende – Lust auf repräsentative Immobilie

Am Tag der Architektur war die eine oder andere imposante Immobilie zu bestaunen. Dazu zählt mit einigem Abstand auch das Humboldt-Forum. Wenn Sie jetzt auch auf den Geschmack gekommen sind und für sich gleichfalls ein neues Zuhause bauen lassen möchten, dann gibt es den einen oder anderen Punkt zu berücksichtigen. Auch für repräsentative Gebäude gilt, sie müssen zum Standort passen. Nehmen wir mal ein Beispiel, wenn das wunderschöne Schloss Sanssouci auf dem Tempelhofer Feld Platz nehmen würde, dann würde dort seine Strahlkraft verfehlt. Deswegen Standort und Immobilie einfach sorgfältig aufeinander abstimmen, es reicht, wenn die Bauherrin oder der Bauherr nicht zum Gebäude passt.

Ideales Picknickwetter

Neben gutem Wetter ist zu überlegen, wen lade ich ein, welches Essen, was gibt es zu trinken und Co. Wenn alle sieben Sache beieinander sind und an Ort und Stelle die Weinflasche darauf wartet, geöffnet zu werden, stellt sich heraus der Korkenzieher wurde vergessen. Jetzt ist Improvisationstalent gefragt. Ein kurzer Blick in die Runde verrät, wer einfühlsam mit Fahrradventil und Luftpumpe hantieren möchte. Noch nie eine Flasche entkorkt. Dann wird es aber Zeit, mit ein wenig Überdruck Korken und Wein aus der Flasche zu lassen. Prost!

macro photography of koi fish

Ein Herz für Tiere

Das deutsche Mitleid bei Tieren ist ausgeprägt. Dazu zählt auch das Schwarmtier Koikarpfen. Die prachtvollen Flossentiere gehören zum Haushalt von Herrn Winterkorn. Jetzt ist aber der bestverdienende Ex-Dax-Vorstand zur Zahlung von 11 Mio. Euro verurteilt worden. Wurde bei dem Urteil daran gedacht, dass die Schutzbefohlenen und dazu zählen ja auch im Wasser lebende Haushaltsmitbewohner*innen, qualitätsvolles Nass und Futter benötigen, ganz gleich, ob mit oder ohne Abgasschalteinrichtung, das ist nicht umsonst zu haben.

Wir gehen getrennte Wege

Bei mir spinnen die Spinnen. Kaum ist es wärmer geworden, schon kriechen die Langbeiner aus allen Löchern und spinnen, was die Netze hergeben, um Beute zu fangen. Ich schätze die Krabbler sehr. Dennoch bin ich für Revierabgrenzungen. Damit wir uns nicht zu nahe kommen, gibt es ab sofort Kaugummi für die Grenzziehung. Im Gegensatz zu mir machen Spinnen einen großen Bogen um den Geruch von Kaugummi. Also markiere ich kurzerhand die spinnenfreie Zone mit der gekauten Masse und schon ist klar, hier ist spinnenfreie Zone, hier spinn ich.

Bin ich für die Deutsche Bahn geeignet

Gratuliere einer DB-Beschäftigten zum höheren Entgelt. Bei meinen hellseherischen Fähigkeiten könnte ich ihr jetzt schon mehr Geld nach den Tarifverhandlungen vorhersagen. Ich frage nach: “Was muss ich machen, damit ich auch dort anfangen kann.” Sie schaut mich von der Seite an und meint: “Wir haben Wechselschicht und arbeiten schon mal drei Tage hintereinander 12 Stunden, ohne je auszufallen. Wer hart im Nehmen ist, stressresistent, gesund, dynamisch und erfolgreich alles durchhält, ist willkommen im Team.


Sägen bringt Geldregen

Überlege von der Kultur zur nachgefragten Holznatur zu wechseln. Ein Sägewerk wäre mir recht. Dort wird das nachgefragte Holz für 90 Euro je Kubikmeter angeliefert und verlässt geschnitten und nicht mehr am Stück für 500 Euro das Werk. Das eignet sich dann für vieles, für Holzbauten und wer nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Kann ich davon ausgehen, dass die Kultur, die seit geraumer Zeit immer knapper geworden ist, genau wie das Holz, eine immer stärkere Nachfrage erfährt und entsprechend stark im Preis steigt. Oder habe ich da ein Brett vor dem Kopf?


Foto: kla.kle

Kappensteins Notizen: Gegenüber Insel Eiswerder

Was ist passiert? Die Wasserschutzpolizei (WSP) hatte bei einem Feuerlöscheinsatz bei hoher Geschwindigkeit einen Wellengang verursacht und damit ein Hausboot bedrohlich gewässert. Seitdem beschweren sich die Pflanzen an Bord nicht mehr über zu wenig Havelwasser. Ob die Wasserschutzpolizei mit den Händen in den Hosentaschen jetzt vorbeifährt nach dem Motto: „Wir können es nicht verursacht haben, es muss das Wasser gewesen sein“, ist nicht überliefert. Dagegen bekennt sich das Wasser schuldig und zeigt sich selber an.


Kappensteins Notizen: Hauptstadt – Radiologische Untersuchung ausgeschlossen

Versuche, telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Leider wird nach dem Abheben der Hörer wieder aufgelegt. Auf der Internetseite steht: Sie können persönlich vorbeikommen. Vor Ort frage ich nach, warum sie telefonisch nicht erreichbar sind. “Wir haben kein Personal und die Ärztin ist in Mutterschutz.” “Ok, später im Jahr geht auch.” “In diesem Jahr gibt es keinen Termin mehr und fürs nächste Jahr kann ich nicht buchen.” Und ich: “Dann frage ich jetzt in der Apotheke, welcher Impfstoff im Falle von Patientenallergie auf dem Kurfürstendamm hilft.”


Kappensteins Notizen: Nachuntersuchung

Mein Auto und ich hatten verschiedene Termine in mehreren Werkstätten. Wochen später hätte ich Wasserstoffperoxid benutzen können, um mir die Haare zu bleichen, ich schaffe es ohne Zusatzmittel. Beim Betreten der TÜV-Abnahmestelle stelle ich fest: “Jetzt beginne ich mit der Freude, Vorfreude hatte ich schon in der Zeit davor.”

Eine Autofahrerin eines betagten Kleinwagens und ich stellen fest, nicht wir, aber unsere Fortbewegungsmittel sind vom selben Baujahr. Es dauert nicht lange, dann pappt der Prüfer eine “Rosa TÜV-Plakette für Mädchen”, wie er sagt, auf meinen fahrbaren Untersatz.


Schöne neue Küche, ich träum von dir

Die jetzigen Möbel geben den Geist auf, außerdem haben die Nachbarn auch längst eine neue Küche. Da macht man was mit. Beim Kauf stelle ist fest, mal stimmt das Dekor, dann stimmt die Arbeitshöhe nicht. Stimmt die Arbeitshöhe, fehlt das Regal. Gibt es das Regal, passen die Elektroteile nicht. Lieferung und Aufstellung können Monate dauern, vorausgesetzt, der Suezkanal bleibt befahrbar, der Küchenmonteur bei guter Gesundheit, mein Konto hält durch. Inzwischen bin ich schon bei der Frage, ob die Küche vollautomatisch kocht und ich per Knopfdruck die Bestellungen bezahle.


Foto Charlotte

 

Luftreiniger

Die Industrie bietet Geräte zur Bekämpfung des Ansteckungsrisikos in geschlossenen Räumen. Ich war eingeladen, wo ein solcher „Virenschlucker“ ein neues Zuhause gefunden hat.

Habe mich mit Anstand auf Abstand hingesetzt. Das elektrische Gerät ist sensibel wurde mir gesagt. Stimmt! Spätestens als das Haustier sich dem Gerät näherte, wurde es laut. Früher hätte Bello unbemerkt seine Gase der Raumluft anvertraut, heute bekommen es alle mit. Ich überlegte, ob ich Deo benutzt habe und wenn ja welches. Vorsichtshalber bin ich wieder gegangen.


Kappensteins Hauptstadtnotizen: Technischer Überwachungsverein

Beim Berliner TÜV Rheinland sage ich, habe ein Auto aus dem Rheinland dabei. Der Prüfer grinst und sagt: “Ah ja, ich verstehe”. Derweil warte ich und warte, bis ich freundlich nachfrage, welche Prioritätenlisten gilt. Alter vor Schönheit des Fahrzeugs, Originalität oder Einfachlackierung, KM-Höchststand, Pflegezustand der Fahrzeugpapiere … “Hier geht es ausschließlich nach Schönheit der Fahrzeughalterin, meint der Plakettenaufkleber. Ich bin als Nächstes dran mit dem Ergebnis: Für das Auto gibt es eine Reparaturliste und es muss spätestens in vier Wochen wieder erscheinen.

Aus dem Hause Kappenstein

Kappensteins Hauptstadtnotizen: Der Anrufbeantworter antwortet nicht

“Hallo, hier meldet sich dein Brüderchen. Mir geht es gut. Abgenommen habe ich auch schon, wiege nur noch 129 kg bei 1,92. Schöne Grüße von Mutter, sie will sich demnächst impfen lassen, weil man ihr keine Ruhe lässt. Sie sagt zwar, sie hätte schon alle Impfungen und was wegen des Krieges ausgelassen wurde hätte sie mit den Kindern, spätestens mit den Enkelkindern nachgeholt. Ich soll dich fragen, ob ihr Impfpass im Famililenbuch liegt, das hat du dir doch ausgeliehen, weil du noch mal wegen deines Geburtsdatums nachsehen wolltest.”

Foto Peter Kagerer

Frau zu Kappenstein Text: Nach Peter Altmaier, Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier jetzt Frau zu Kappenstein

Der Tag, an dem der Impfstoff kam

Im Film hat ein Fußgänger den Eingang nicht gefunden. Mit dem Shuttle passiert mir das nicht. Treffe auf eine geniale Organisation, bei der ich nach kurzer Zeit wieder an der frischen Luft bin. Applaus!!! Habe es mit geübtem Fachpersonal zu tun. Die Ärztin stellt sich vor und ich sage, mein Name ist anders. Erfahre von der Impfstoffversenkerin, das sie sonst in einer Kinderarztpraxis ganz andere Dezibelzahlen vorfindet. Im Anschluss genieße ich im Ruhebereich ein Plakat „Letzte Wünsche“. Ein Anrecht auf Impfschaden gibt es nicht. Dafür wird der 2. Impftermin garantiert.

Bonhoeffer sagte: Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche. 

Foto H. K.

Kappensteins Notizen: Der eigene Name metergroß

Foto Charlotte

Gerate in die Berliner Sprayer-Szene. Frage nach, ob ich die Arbeit fotografieren darf. Einer hängt seit drei Jahren und der andere seit 1,5 Jahre an der Dose. Sie haben die Namen ihrer Angebeteten auf die Wand gesetzt. Meinen Namen kann ich nirgends finden, kein Wunder, meine Fanbase ist ohne Dose unterwegs. Wie zufällig lasse ich meinen langen Vornamen einfach mal fallen. Mal sehen, wofür es gut ist. Schaue einfach gelegentlich noch mal vorbei. Zum Schluss sagt eine aus der Gruppe: Die Frau ist ja hinreißend. Ich weiß nicht, wann ich das zuletzt von unter 30-Jährigen gehört habe.

Foto Charlotte

 

Frau zu Kappenstein Text: Mondlandung

Habe eine Arztpraxis besucht. Am Telefon war schon alles anders. Wieso, das sehe ich vor Ort, als ich mich kurz frage, ob ich und meine Zieladresse richtig sind. Nach dem innerlichen doppelten Ja, sage ich, dass wir verabredet sind. Die Person in der unbequemen Kleidung nickt und erklärt ihr Erscheinungsbild. Es gibt Patienten, die nach der körpernahen Dienstleistung mitteilen, dass sie Corona haben. Ganz ehrlich, unter diesen Umständen würde ich auch auf eine Ausrüstung vom Medizinfachhandel zurückgreifen. Der Bedarfsartikelhersteller ist bereit, sich gegen eine 4-stellige Summe von seinen Mitmenschen zu trennen.

Foto Charlotte


Frau zu Kappenstein Text: Sprühkunst

Bin mit einem Outdoorkünstler ins Gespräch gekommen. Der Wandgestalter sprühte, was das Zeug hält. Riesiges Bild, ganz viel Lösungsmittel und blieb dabei sowohl an Mund als auch an Nase maskenfrei. Die Gelegenheit war günstig für mein Erstgespräch mit einem Sprayer. Ich wollte wissen, warum bei großer Kunst die große Dosis Lösungsmittel ungeschützt zum Einsatz kommt. Lösungsmittel sollen ja positive Eigenschaften haben, aber fürs Gehirn? Davon hätte ich noch nicht gehört, da soll ja eine Maske helfen. Die braucht er nicht, er hat ein Dokument. Er ist Ingenieur. Darauf ich: Auch Kunst an der Wand ist dem Ingenieur nicht zu schwer. Herzlichen Glückwunsch.

Ob das Gehirn eines Ingenieurs automatisch Schutz vor Lösungsmittel bietet, ist nicht überliefert.


Klaus Stuttmann Karikatur

Frau zu Kappenstein Text: Teilchenbeschleuniger

Kennen Sie bestimmt. Ein bekannter Vertreter ist die Weltmaschine in Cern. Dort werden die Teilchen ordentlich beschleunigt, bevor sie aufeinandertreffen. Eine gigantische Forschungseinrichtung mit Mrd. Budget. Bei mir gibt es auch Teilchen, die mich beschleunigen. Wollen Sie wissen, welche das sind? Handtellergroße süße Gebäckteilchen, gutes Essen oder gehaltvolle Tropfen. Diese Teilchenbeschleuniger helfen mir bei Negativbescheiden, beim Verkraften der Coronakrise und noch besser sie steigern meine Kreativität. Prost!