Fotostrecke & Presse

HAUPTSTADTMENSCHEN:

Zum Glück muss ich noch nicht trauern, denn mein Peter Lindbergh heißt Peter Kagerer ist quick lebendig, außerdem Berufsabenteurer und fotografiert leicht atemberaubend, aber sehen Sie selbst, wenn Frau zu Kappenstein das Regierungsviertel unsicher macht:

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https://leute.tagesspiegel.de/spandau/unter-nachbarn/2019/07/16/85785/

Tagesspiegel entdeckt Frau zu Kappenstein

Liebe auf den zweiten Blick. Die Kabarettistin Frau zu Kappenstein wollte immer nach Berlin – aber nie nach Spandau. Dort wohnt sie nun jedoch, und das auch sehr gerne. Hier erzählt sie uns von ihrem Hass auf Busfahrer, schöne Friedhöfe und der besten Stadt der Welt. https://leute.tagesspiegel.de/spandau/unter-nachbarn/2019/07/16/85785/

„In den 70ern besuchte ich das erste Mal Berlin. Damals durfte in den gelben Doppeldeckern noch geraucht werden. Ich bezog am Wannsee Quartier und begab mich auf Entdeckungstour, welche mich bis in den historischen Teil der Stadt jenseits der Mauer führte. Damals begann, was bis heute andauert: Mein Herz schlägt für diese Stadt. 2011 gab es kein Halten mehr. Der Umzug aus dem Ruhrpott in die beste aller deutschen Städte war beschlossene Sache. In Berlin kann man hervorragend leben, solange man sein Dasein nicht bei aussichtslosen Wohnungsbesichtigungen fristen muss. Die endlosen Schlangen vor Berliner Mietshäusern soll man ja inzwischen sogar von der Raumstation ISS aus sehen können.

Seinerzeit konnte ich mir jeden Stadtteil für das Aufstellen meines Bettes vorstellen – bis auf Spandau, wo ich letztendlich doch gelandet bin. Dem Leerstand in der Zitadellenstadt 2011 sei Dank. Meine lange Suche nach einer hauptstädtischen Bleibe endete mit einem Umzug innerhalb von drei Tagen. Ich bezog eine frisch gestrichene Wohnung am Stadtrand. Zu ihren besonderen Merkmalen zählten ein Parkblick und ein Busfahrer als Nachbar. Letzterer war ein Musterbeispiel für Berliner Fahrpersonal – mit Herz und Schnauze. Leider war bei ihm und seinem verhaltensauffälligen Bello der Schnauze-Anteil etwas zu stark ausgeprägt.

In jenen Tagen entwickelte ich eine üble Busfahrer-Allergie. Um diesem Leiden zu entkommen, brachte ich einen weiteren Umzug hinter mich – von Hakenfelde-Nord nach Hakenfelde-Süd. Und ganz ehrlich, in einer so schönen Lage wie jetzt habe ich in meinem gesamten vorherigen Leben nicht gewohnt. Nun genieße ich einen atemberaubenden Blick auf meine Stadt. Ich winke dem Fernsehturm zu, der zum Glück nicht zurück winkt. Die friedfertige Zitadelle steht bei mir trutzig im Vorgarten und der Spandauer Rathausturm strahlt nachts in mannigfaltigen Farben.

Was ich an Spandau mag? Es ist grün, hat viel Wasser, eine sehenswerte Altstadt, eine geschichtsträchtige Zitadelle, Open-Air-Konzerte und Vieles mehr. Es kommen sogar Touristen nach Spandau, und das nicht nur zum legendären Weihnachtsmarkt. Mich ärgert jedoch, dass der Flughafen Tegel noch immer ein Flughafen ist. Umso mehr, als dass mir beim Einzug 2011 die unmittelbar bevorstehende Schließung versprochen wurde. Stattdessen kann ich auch heute noch alle fünf Minuten von meinem Fenster aus die Schweißperlen auf der Stirn der Piloten zählen, wenn sie sich auf die Landung in Tegel vorbereiten.

Ja, es ist laut in Spandau. Viel Flug- und anderer Verkehr. Es düst, brummt, hupt, quietscht und knattert allerorten. Doch nicht nur der Höllenlärm verleidet mir das Draußen sein auf Schritt und Tritt. Hundekot und Müll werden in Spandau offenbar sehr gern auf Gehwegen deponiert. Über die Jahre entstehen daraus kunstvoll anmutende Konglomerate. Es hat also auch sein Gutes: Wenn ich als Kabarettistin mal in den Ruhestand gehe, könnte ich hochpreisige Street-Art-Führungen anbieten. Ich habe übrigens eine Vermutung, auf welchem Flughafen die Kunstliebhaber aus aller Welt dann noch immer landen werden.

In den ersten Tagen als Neuberlinerin wurde mir schnell klar, dass ich gar nicht nach Berlin gezogen war. Denn es gilt: Wenn du aus Spandau kommst, dann kommst du nicht aus Berlin, dann kommst du aus Spandau. Deshalb fahre ich täglich nach Berlin und schaue nach, ob es noch da ist. Schließlich hat Spandau noch eine weitere positive Eigenschaft: Man kommt so gut von dort weg.

Herr Wowereit würde sagen: Und das ist auch gut so. Sie glauben gar nicht, wen ich in der Nachbargemeinde schon alles getroffen habe: Angela Merkel, Peter Altmaier, Jens Spahn, Frank-Walter Steinmeier, Klaus Lederer … Das politische Personal und viele andere Begebenheiten bieten reichlich Stoff für das zauberhafteste Licht – das Rampenlicht. Sie müssen wissen, dass ich alles mag außer Langeweile. Ich bin fest davon überzeugt, wer viel lacht, hat wenig Zeit für Krankheiten.

Ganz nebenbei habe ich hier in Spandau wunderbare Menschen entdeckt. Zum Beispiel Herrn Denny. Zusammen laden wir in unseren Podcast namens „Berliner Schätzchen“ ebensolche ein, stets auf der Suche nach kuriosen und amüsanten Geschichten aus ihrem Leben in, mit und trotz Berlin. Nicht nur hinhören, sondern auch hingucken kann man bei dem Musiker und Entertainer Matthias Wiesenhütter. Gemeinsam geben wir auf der Bühne regelmäßig Absurditäten aus der Hauptstadt zum Besten.

Für mich steht fest, dass ich in Berlin bleiben werde. Todsicher. Ich habe mir schon einen Friedhof ausgesucht. Und jetzt noch ein Superlativ: Berlin ist die Stadt mit den schönsten Ruhestätten. Glücklicherweise haben sich an diesen Orten noch keine Warteschlangen gebildet. Jetzt bleibt mir nur die Hoffnung, dass man mich nicht neben einen Busfahrer einbuddeln wird. Ein erneuter Umzug wäre doch etwas schwierig. Aber vielleicht gewöhne ich mich bis dahin an Dein Herz mit Schnauze, mein Spandau.“

Ihre Bühne für Comedy und Kabarett hat Frau zu Kappenstein allerdings in Marzahn: Immer freitags im Freizeitforum Marzahn: „Immer wieder freitags“ mit wechselnden Gästen. Allerdings erst wieder nach der Sommerpause: Am 27.09. ist die Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser zu Gast. Zum Programm.

 

 

Die Morgenpost schreibt in ihrer Wochenendausgabe über Frau zu Kappenstein:

 

 

Tagesspiegel entdeckt „Immer wieder freitags“ Liebe Frau zu Kappenstein, woran denkt man, wenn man an Marzahn-Hellersdorf denkt? An die “Gärten der Welt”, Schloss Biesdorf, die Alte Börse, die vielen Plattenbauten – und ich außerdem an ganz viel Menschlichkeit. Natürlich habe ich den Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf gelesen. Verschlungen habe ich ihn. Diese außergewöhnliche und zugleich beeindruckende warmherzigen Schilderung einer Marzahner Jungenfreundschaft. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich die Sozialkomödie „Extraklasse!” mit Axel Prahl gesehen, die auch in Marzahn-Hellersdorf spielt. Köstlich und mit ganz viel Herz, wie der Schauspieler im Film als Ex-Reporter wider Willen zum Schuldienst verdonnert wird. Sehr unterhaltsam, und als Örtlichkeit bzw. Filmkulisse war das Freizeitforum Marzahn auserwählt worden. Da kamen doch direkt heimische Gefühle bei mir auf. Wer das Freizeitforum Marzahn, wie man die Lokalität abgekürzt bezeichnet, noch nicht kennt, sollte es ganz schnell nachholen. Alles, was mit Sport, Spiel und Spannung zu tun hat, ist unter einem Dach zu finden. Gut konzipiert. Und wie das Leben es so will, habe ich fernab dieses Veranstaltungszentrums bei einer Feier zum hundertjährigen Bestehen des Bundes Deutscher Architekten auch noch dessen Schöpfer höchstpersönlich kennengelernt. Rein zufällig saßen Wolf Eisentraut, der frühere Präsident des Bundes der Architekten sowie Erbauer des FFM, und ich nebeneinander. Da lag es nahe, auch über diese von ihm entworfene Einrichtung ins Gespräch zu kommen. Die Welt ist doch klein. In dem Zusammenhang erwähnte er, dass ihm gerade das Freizeitforum Marzahn, das meine spätere Wirkungsstätte für „Immer wieder freitags“ werden sollte, besonders am Herzen liegt. Das habe ich mir gut gemerkt und nicht mehr vergessen. „Immer wieder freithttps://leute.tagesspiegel.de/marzahn-hellersdorf/unter-nachbarn/2019/08/13/91537/?utm_source=TS-Leute&utm_medium=link&utm_campaign=leute_newsletterags“ wurde 2018 als Veranstaltungsreihe mit Kabarett und Comedy am Freizeitforum Marzahn ins Leben gerufen. Ganz egal, ob es der E-Tretroller ist, mit dem sich Andreas Scheuer liebend gern beschäftigt, im Gegensatz zum Dieselskandal, oder ob es um die Organspende des amtierenden Gesundheitsministers zugunsten seines Ehemanns geht. Wie war das noch: Wer schweigt, stimmt zu, und wer ablehnt, gefährdet das Eheglück. Paare zusammen ist sowieso so eine Sache. Bekanntlich halten Beziehungen länger, wenn die Paare getrennt voneinander leben. In der Veranstaltung passieren aber auch ganz persönliche Dinge. Ein Anruf von Mutti, die daran erinnert, wie wichtig frische Unterwäsche ist, oder dass Seniorenmemory nicht nur Älteren gut die Zeit vertreibt. Wer in der Reihe schon alles aufgetreten ist, da bin ich ganz stolz drauf: Gerlinde Kempendorff-Höhne war zu Gast. Sie verkörperte eine Putzfrau, die unter dem Motto „Frau Saubermann sagt, wie’s is!“, auspackt. Genauso wie der Berliner Autor Andreas „Spider“ Krenzke und der “Distel”-Kabarettist Tilman Lucke. Damit nicht genug. Ausverkauft ging es weiter mit Sebastian Krämer, der Autorin Abini Zöllner und dem Altkabarettisten Gert Kießling. Die Zuschauer*innen tobten. Danach folgten viele andere Künstler*innen wie Gisela Oechelhaeuser, Uli Hannemann, André Herzberg, Lutz Stückrath, um nur einige zu nennen. Marzahn, der zweitgrünste Bezirk, mit guter Anbindung an die Innenstadt, ist inzwischen 40 Jahre alt geworden. Auch Dagmar Pohle, die Bürgermeisterin, weiß die Vorteile von Marzahn-Hellersdorf zu schätzen. Mit ihr habe ich inzwischen ebenfalls Bekanntschaft geschlossen. Wenn Sie mich fragen, sie ist goldrichtig für den Bezirk. Sie selbst wohnt in einer Plattenbauwohnung. Sogar den Biesdorfer Erich John, der Formgestalter (Designer) der berühmten Weltzeituhr und ganz vieler anderer bekannter Objekte, kenne ich mittlerweile. Zu gerne würde ich John, Pohle, Monika Lakomy vom Traumzauberbaum, Eulenspiegel Karikaturisten Arno Funke und und und zu einem Gespräch ins FFM einladen. Mal sehen, was zuerst passiert, ob es die Stützstrumpfwochen bei Rossmann sind oder eine Veranstaltung mit interessanten Leuten, die was zu erzählen haben. E N D E  

 

 

 

 

Fotos: Michaela Hanf
Fotos: Michaela Hanf

Die hinreißende Fotostrecke ist von Michaela Hanf. Besuchen Sie mal Ihre Seite, Sie werden begeistert sein! Michaela Hanf Fotografie_dunkel600

Herzlich willkommen in der Welt der Frau zu Kappenstein.
Herzlich willkommen in der Welt der Frau zu Kappenstein.
Wer da hin will, fängt am besten unten an.
Wer da hin will, fängt am besten unten an.
Hier wird getauscht, mindestens verbal, Kleid und Haar.
Hier wird getauscht, mindestens verbal, Kleid und Haar.
Im Gespräch mit der ortsansässigen Bevölkerung!
Im Gespräch mit der ortsansässigen Bevölkerung!
Natürlich hat die Frau Träume.
Natürlich hat die Frau Träume.
... es geht nicht immer alles in Erfüllung.
… es geht nicht immer alles in Erfüllung.
Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören oder zumindest eine Pause einlegen.
Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören oder zumindest eine Pause einlegen.
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Immer diese Muster von anno plötzlich!
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Auf diese Post habe ich nicht gewartet.
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Die schönsten Dinge tauchen dort auf, wo man sie man am wenigsten erwartet.
Foto: Michaela Hanf
Mal sehen, was der Tag bringt.
Spieglein, Spieglein in der Hand
Spieglein, Spieglein in der Hand
erst einmal Prost
erst einmal Prost
Welche Herausforderung wartet darauf in Angriff genommen zu werden?
Welche Herausforderung wartet darauf in Angriff genommen zu werden?

Entertainment, mein Leben Einfach locker bleiben – auch im Gesicht (kleine gesichtsakrobatische Anleitung) Also für Körper, Geist und Seele wird ja immer wieder viel getan. Aber wie sieht es mit der Gesichtsmuskulatur aus? Viele Mitmenschen laufen mit total vernachlässigter und regelrecht schlaffer oder überspannter Mimik umher. Und wenn wir ehrlich sind: eine schwache Mundmuskulatur ist doch nicht anziehend. Aber bleiben Sie zuversichtlich! Mit einem bisschen guten Willen und ein paar lockeren Übungen können wir vieles zum Guten wenden. Zunächst einmal bleiben Sie ernst und schütteln Sie einfach Ihren Kiefer aus. Wenn Sie das Gefühl haben, das ist animalisch und nicht von dieser Welt, dann kann ich Sie beruhigen. Sie sind auf dem richtigen Weg! Konzentrieren Sie sich auf Atem und Stimme noch vor dem Sprechen. Nur nicht überreagieren! Einfach die goldene Mitte wählen. Ihre Stimme bekommt dadurch Betonung, Charakter und Gesicht. Ja, sie wird regelrecht zum Leben erweckt und erhält auch noch eine Seele. Nur, damit Sie vorbereitet sind: Es kann dadurch zu Verwechslungen mit Personen des öffentlichen Lebens kommen. Das macht aber nichts, gönnen Sie sich den Spaß! Nun zum Vorglühen der Vokale. Mir ist ganz gleich ob Sie sich für das A,E, I, O oder U entscheiden. Spitzen Sie die Lippen, ziehen Sie eine Luftkugel ein und lassen den Unterkiefer nach unten fallen. Ja und dann einfach erleichtert wie im Urlaub gähnen. Lassen Sie es frei heraus! Arbeiten Sie ohne Hand vor dem Mund. Werden Sie ruhig unhöflich! Wer ungehemmt arbeitet schafft die besseren Urlaute, und so konnte schon viele ungeahnte und auch neue Kontakte knüpfen. Was auch ausgesprochen gut wirkt, sind süsse Spagetti aus Gummibärchenmaterial oder entrollte Lakritzschnecken. Einfach die Hände auf dem Rücken unterbringen und dann das verführerische Naschwerk Zentimeter für Zentimeter verschlingen. Jetzt nur noch mit den Lippen flattern und dann ist es auch schon so weit. Danach verfügen Sie über eine hinreißend entspannte Gesichtsmuskulatur und haben außerdem noch eine bezaubernd resonanzreiche Stimme. Das Ergebnis wird Sie überraschen! Wer viel übt bietet seinen Mitmenschen einen geschmeidigen und gepflegten Gesichtsausdruck. Schlaff und überspannt war gestern und muss nicht sein. Jetzt kann der Tag nett werden! Presse:

Foto: Michaela Hanf
Foto: Michaela Hanf

Kappensteins Kabarettwelt – Stefan Bartylla (Berliner Abendblatt) Lachfaltenpflege mit Langzeitwirkung – Karolina Wrobel (Berliner Woche – Seite 7) Charlotte zu Kappenstein lädt zum Talk nach Karlshorst (Berliner Zeitung) West-östlicher Kulturschock – Elke Köpping (Neues Deutchland) Auszüge

Die Kabarettistin Charlotte zu Kappenstein ist Expertin in der Fusion verschiedener Kulturen. Im Kulturhaus Karlshorst etabliert sie derzeit eine neue Kabarettreihe

Das mit dem Humor ist ja so eine Sache. Es heißt, entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht. Letztlich ist das alles eine Frage der Perspektive – oder auch der Sozialisation: worüber die eine schallend lacht, verdreht der andere womöglich nur genervt die Augen. Ein gewisser Kulturschock mag sich dabei einstellen, wenn der Berliner (oder die Berlinerin) an sich auf die Rheinländerin Charlotte zu Kappenstein trifft. Ihre optisch kokett zur Schau gestellte Reserviertheit geht mit der klangvollen Sprachmelodie der rheinländischen Frohnatur eine unheilvolle Allianz ein, sobald sie den Mund aufmacht. Doch halt, da heißt es genau sein, denn auf Genauigkeit legt sie großen Wert. Frau zu Kappenstein ist Ost-Rheinländerin. Oder auch West-Westfälin. Je nach Perspektive. Ob man eben von Ost oder West aus guckt. Mit diesem Perspektivproblem kennen die Berliner sich ja nun eigentlich gut aus. Und mit den Schwierigkeiten, die Barrieren der unterschiedlichen Sozialisationen hüben wie drüben im engsten Familienkreise zur Zufriedenheit aller zu überwinden… … Von Haus aus hat sie als Betriebswirtin »was Anständiges« gelernt und dann aber – was für ein Abstieg – für die Politik gearbeitet, »ganz viel Projektarbeit, das ging sogar bis zur Fußballweltmeisterschaft«. Dabei spielt sie gar keinen Fußball. Höchst verdächtig, das deutet auf eine chamäleonhafte Anpassungsfähigkeit hin. Aber letztlich wurden in dieser Karriere die Grundsteine für heutige Fähigkeiten und Überzeugungen gelegt. Zum einen ist dies die Liebe zum politischen Kabarett. »Bei guter Unterhaltung gehört dat für mich einfach dazu«, gesteht sie. »Unterfordert wird das Publikum ja schon bei den Privaten. Da muss ich ja nicht auch noch mitmachen.« Und zum anderen ist es das organisatorische Talent aus der Projektarbeit und das Gespür dafür, die richtigen Künstlerinnen und Künstler für einen »niveauvoll« unterhaltsamen Abend zusammen zu bringen. Das hat sie bislang in ihrem Heimatbezirk Spandau getan, nun breitet sie die Schwingen ihrer doppelflügeligen Handtasche aus und versucht sich am Kulturhaus Karlshorst mit einer neuen kabarettistischen Veranstaltungsreihe.

Vom ganz westlichen Ende der Stadt tief in den Osten – was für die einen wie ein Tagesausflug anmutet, ist für die Kabarettistin der logische Schwung über den Kieztellerrand. Ringförmig arbeitet sie sich in der Peripherie um die Stadt herum, um sich dann vermutlich mit einem einzigen nonchalanten Flügelschlag das Zentrum anzueignen. In Karlshorst ist sie zunächst einmal am richtigen Platz, denn das Kabarettistische fehlte dort bislang. Das Kulturhaus machte sich schon zu DDR-Zeiten, in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, einen Namen als Anlaufstelle für Jazz- und Dixielandfans. Das ist eine Tradition, die sich bis heute mit einer Riege namhafter Auftritte fortsetzt. Im April etwa wird dort der »Monat des Jazz« proklamiert, für den auch Besucherinnen und Besucher aus entlegeneren Stadtteilen anreisen. Frau zu Kappenstein macht sich den im Jazz gepflegten Fusion-Begriff mithin gezielt zunutze und bringt die »alten Hasen« mit handverlesenen kabarettistischen Neuentdeckungen zusammen, gewürzt mit einem kräftigen Schuss musikalischer Unterhaltung. Im April gehören dazu etwa die Kreuzberger Überzeugungs-Cocoonerin Coco Lorès und der Schweizer Zauberer-Comedian Freddie Rutz. Sie werden ergänzt durch einen »Überraschungsgast«, über den an dieser Stelle nur vielsagend verlautet wird, dass er kürzlich in der »Distel« zu sehen war, und durch das Musikkabarett-Duo »Komische Saiten«. Im Mai will die zu Kappenstein dann in Charlottenburg nachlegen – mit dem sonntäglichen Kabarett-Talk »Berliner Geheimnisse« im Szenelokal »Wilde Oscar«. Zu erwarten ist dort eine Talkshow der ganz eigenen oder auch anderen Art. Eins ist jedenfalls sicher: Humor wird eine gewisse Rolle spielen. Ob Rolle vorwärts oder rückwärts, das werden die Zuschauerinnen und Zuschauer wohl vor Ort erfahren. »Buntes Kabarett, Musik und mehr«, Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, 10. April, 20 Uhr: www.kulturhauskarlshorst.de; www.frauzukappenstein.de So klappt’s auch mit … … Humor VON WALTRAUD SCHWAB (TAZ vom 18./19./20. Mai 2013, Pfingsten) Ein Witz: Sagt einer zum anderen: „Du, ich habe einen Mann gesehen, der Hai gegessen hat in einem Aquarium.“ Sagt der andere: „Das ist nichts gegen den Mann, den ich gesehen hab. Der hat Hering gegessen in einem Restaurant.“ Und? Gelacht? – Na ja, nicht so schlimm, ist sowieso englischer Humor. Hier ein Witz aus Uelzen. Lehrer: „Alkohol ist unter anderem auch ein gutes Lösungsmittel.“ Schülerin: „Ja, für Probleme und so.“ Haha. Ich find die meisten Witze nicht zum Lachen. Man nennt mich „auf eine komische Art humorlos“. Also, nicht wirklich humorlos, aber doch irgendwie schwer von Kapee.

Illustration: Eléonore Roedel
Illustration: Eléonore Roedel

Und jetzt? „Los“, sagen meine Kollegen, „du lernst jetzt Humor! Tu’s für uns.“ Sonst noch was? Und vor allem: Wie lernt man Humor? Charlotte zu Kappenstein in Spandau muss es richten. Sie ist „Lachfaltenpflegerin“. Sie habe, sagt sie, ein Lachfaltenpflegediplom. Wo man das herkriegt? Statt Antwort ein Blick. Zu Kappenstein hat was gekocht. „Humor geht durch den Magen“, sagt sie. Der erste Gang: Salat mit Kürbiskernen, Balsamico und Walnussöl. Meine Stirnfalte entlockt ihr einen weiteren Rat: „Sie müssen die Mimik trainieren.“ Sie meinen, Humor hängt also vom Zustand des Magens und Gesichts ab? „Bei manchen schon.“ Alles pflegten die Leute: ihre Hände, ihre Brüste, ihre Falten, nur die Gesichtsmimik nicht, meint sie. „Ich könnte Lockerungsübungen machen mit Ihnen.“ Ich kaue weiter. Mit geschlossenem Mund. Mein Gesicht verzieht sich enorm. Meine Oberkiefer knacken. Zu Kappenstein schweigt. Dann sagt sie doch etwas. Ihr Vater sei Rheinländer, der lache offen, ihre Mutter sei Westfälin und lache innerlich. Humor sei bei ihr also eine Sache qua Geburt. Ich kaue wie eine Kuh. Was bedeutet das, Humor qua Geburt? In der Literatur steht – sehr verkürzt wiedergegeben -, dass Kinder, die sicher an ihre Eltern gebunden sind, das mit dem Humor besser beherrschen als jene, in deren Familien es nicht so rosig zuging. Weil Humor eine spielerische Einstellung voraussetze und sicher gebundene Kinder leichter lernten, zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu wechseln. Sagt das jetzt was über mich? Charlotte zu Kappenstein, die so heißt, weil sie gerne Kappen trägt und ihre frühere Existenz als Tausendsassa des Düsseldorfer Oberbürgermeisters vor zehn Jahren hinter sich ließ – Auslöser sei eine Krise gesundheitlicher Art gewesen – zuckt mit den Schultern. Fantasie? Wirklichkeit? „Bei manchen funktioniert es, bei manchen nicht“, meint sie. Seit der Krise macht sie „in Humor“. Und zwar so radikal, dass sie ihren früheren Namen nicht mal sagen will. Gut, er stand am Klingelschild, ich weiß jetzt, wie sie wirklich heißt. Ist das relevant? Ihre vorherige Existenz habe sie abgelegt. Ihr Alter? „Älter als 30, jünger als 100.“ Ihre Haltung: „Also, auf die Knie falle ich nicht mehr, weil ich nicht weiß, ob ich wieder hoch komme.“ Mit Humor jedenfalls kann man Krisen bewältigen. Mit Humor kann man die äußersten Kanten von Depressionen schleifen. Mit Humor kann man schwierige soziale Interaktionen meistern – sagen Humorwissenschaftler. Zu Kappenstein macht übrigens in politischen Humor, wenn es geht, wenn es in Spandau geht, wo sie vor zwei Jahren hinzog, aus Oberhausen, der ärmsten Stadt Deutschlands, wie sie betont. Sie dachte, es kann nicht schlimmer kommen. „Da kannte ich Spandau noch nicht.“ Auf jeden Fall hat sie es geschafft, sich dort auf einer Kleinkunstbühne kabarettistisch zu etablieren. Ihre vorletzte Show: „Vatileaks“. Für sie, Rheinländerin mit Oberhausener Sozialisation, war Ratzingers Rückzug am Rosenmontag ein Scherz. „In der Regel ist so ein Mann doch weg, wenn er weg ist“, sagt sie. Zurück zum Essen. Der zweite Gang: Zu Kappenstein tischt Nudeln auf, mit Ricottawalnusssoße. „Loriot“, sagt sie, „kennen Sie seinen Sketch mit der Nudel? Er macht Liebeserklärungen mit einer Nudel im Gesicht.“ Das sei Humor. Ich kenne den Sketch nicht. Zu Kappenstein guckt mich an, seufzt. Loriot sei übrigens in dem Jahr gestorben, in dem sie nach Berlin zog. Das nehme sie ihm persönlich übel. Ob sie ihn denn persönlich gekannt habe? „Nein, zum Äußersten sei es nicht gekommen.“ Humor entstünde durch Inkongruenzen und Mehrdeutigkeiten, sagen Humorwissenschaftler. Was Sender und Empfänger einer Botschaft denken, sei nicht deckungsgleich. Frau zu Kappensteins Humorerklärung dagegen: „Ich sach ja imma, entweder es kommt oder es kommt nicht, und wenn es nicht kommt, ist auch gut.“ Sie sagt es mit den gedehnten, gesungenen Vokalen der Rheinländer und den betonten Konsonanten am Ende. Zum Nachtisch gibt es: Joghurt mit in Orangensaft sautierten getrockneten Aprikosen und Feigen. Und Espresso. „Futter habe ich Ihnen gegeben“, sagt sie zum Abschied, „machen Sie was draus.“ „Ich sach ja imma, entweder es kommt oder es kommt nicht, und wenn es nicht kommt, ist auch gut“ CHARLOTTE ZU KAPPENSTEIN

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